Back to home
Leben

Qi Gong, meine Reise

Ein Bericht von Heidi Sykora

Ich war gerade einmal 22 Jahre alt, als ein schwerer Kletterabsturz mein Leben von Grund auf veränderte.

Nur sehr langsam erholte ich mich von den schweren Verletzungen und kämpfte mich ins Leben zurück.

Einzig die Schmerzen am linken Sprunggelenk blieben und verstärkten sich zusehends. Der Lösungsvorschlag der Ärzte damals war die Versteifung des Sprunggelenks. Mit 22 Jahren. Das wollte ich nicht.

Auf der Suche nach einer alternativen Möglichkeit, stieß ich auf die chinesische Medizin, die wahre Wunder zu vollbringen schien. Also machte ich mich auf die Reise nach China.

Heidi Sykora, Sportphysiotherapeutin, Sportwissenschaftlerin, Autorin

In Peking angekommen, lebte ich anfangs in der Wohnung eines entfernten Bekannten. In einer Zeit ohne Internet, war der Unterschied unserer Kulturen wie eine Welle, die mich überrollte, und wirklich verängstigte. Nur einige Wenige waren dem Westen gegenüber aufgeschlossen und hilfsbereit. So spielte mir auch eher der Zufall die Adresse eines Zentrums im gebirgigen Hinterland der Provinz Qingdao in die Hände, wo man chinesische Bewegungstechniken unterrichtete. Damit konnte man angeblich alles heilen.

Sui QingBo, ein chinesischer Arzt, Leiter des Zentrums, und seine Frau Lena, heute würde ich sagen, Physiotherapeutin, unterrichteten dort eine kleine Gruppe Reisender aus aller Welt.

Auf einem malerischen Sandplatz unter hohen Bäumen, kämpfte ich anfangs mehr mit mir selbst, als mit den Bewegungen. Der Lebensrhythmus stand in starkem Kontrast zu all dem, was ich bisher gewohnt war.

Wie praktiziert man Qi Gong?

Aufstehen mit Sonnenaufgang, direkt auf den Übungsplatz — kein sanftes Erwachen. Spätes Frühstück, wieder Üben, Mittagessen. Dann kam das Schlimmste:  Die Ruhe, wirklich nichts tun — bis zum späten Nachmittag. Gefangen im Steinhaus,  in einem netten kleinen Areal mitten in den Bergen, wo die Straße endet. Seltsame Menschen um mich, alle ruhten, nur ich war wach. Ich umrundete die Umgebung wie ein eingesperrtes Tier, nicht unbemerkt von den wachsamen Augen QingBos. 

Es sei wichtig das Qi zu pflegen, verdeutlichte er mir, sich selbst zu begegnen. Dazu müsse man nicht schlafen, besser ruhen, in Harmonie mit sich selbst. Damit ließ er mich ratlos zurück. Hätte ich gekonnt — ich hätte die Flucht ergriffen. Da ich aber kein Geld mehr hatte, und meinen Aufenthalt von Österreich aus bezahlen durfte, war ich nur hier oben sicher. Gezwungen, mich mit den Umständen abzufinden.

Auch die Übungen waren anfangs befremdlich für mich. In ihrer Langsamkeit, Genauigkeit, Tiefe. Anstrengend erst auf den zweiten Blick. Je länger ich mich mit einer Übung beschäftigte, desto schwieriger wurde sie. 

Jede Bewegung im Qi Gong verbindet Körper, Geist und Seele. Sie kommt tief aus dem Inneren, immer im Austausch mit einem großen Kosmos. Jedes auch noch so kleine Gelenk wird in den Ablauf mit einbezogen. Je mehr man sich darauf einlässt, desto komplexer wird die Bewegung.

Qi Gong mein Abenteuer

Ich kann heute nicht mehr genau sagen wann oder wodurch der Funke übergesprungen ist. Nach einiger Zeit habe ich gespürt, dass ich das hier zu Ende bringen muss. Bis zu einem Punkt, an dem ich das Gefühl hätte, etwas für mich mit nach Hause zu nehmen, das mir auf irgendeine Art und Weise weiterhelfen würde. 

Ich lernte, dass es unendlich viele Formen von Qi Gong gibt, nicht nur die 18 Grundübungen, die uns schon seit Wochen beschäftigten. Ziel dieser, in der Grobform simpel im Stehen durchgeführten Übungen ist es, den Qifluss im Körper zu aktivieren.

Das Tempo reguliert sich durch die Atmung, der Fokus liegt auf der Körpermitte, die Bewegung breitet sich aus, bezieht die Umgebung mit ein. Heute verwende ich das Qi Gong sehr gerne als meditative Bewegungsform.

Man lernt sich zu erden, den Herzschlag zu fühlen, und irgendwann wird auch der Qifluss spürbar. Diese Dinge nimmt man mit in den Alltag, setzt sie ein, ohne es zu merken.

Was bringt Qi Gong?

Den Körper so deutlich wahrnehmen zu können, Energie zu leiten, in der Bewegung Ruhe finden, das ist nicht selbstverständlich.

Zu Hause habe ich die einzelnen Bewegungen im Ablauf adaptiert, entdecke aber bis heute immer neue Facetten. Die individuell unterschiedliche Ausführung ist mir wichtig. Sie ist Ausdruck der Persönlichkeit.

In meiner Arbeit finde ich durch das Qi Gong einen sehr tiefen Zugang zu den Klienten.

Ich denke ich bin ruhiger geworden, mehr in meiner Mitte. Nicht nur durch das Qi Gong- ganz sicher aber auch dadurch. Ich habe gelernt mich als Mittelpunkt meiner eigenen Welt zu sehen, im ständigen Austausch mit der Umgebung. Still zu stehen gibt mir die Möglichkeit die Richtung bewusst auszuwählen.

Nennen wir es Qi, Energie oder Lebensfreude- ganz egal. Es ist kein Zauber, nicht das Privileg fernöstlicher Kultur. Jeder Mensch, der sich spürt und gelernt hat zu sehen was ihm hilft oder schadet, kann sich bis zu einem gewissen Grad selbst heilen. So wie wir hier Kräuter nutzen, Bewegung, oder vielleicht auch bewusst gelenkte Aufmerksamkeit, so setzt der Chinese Akupunktur, Qi Gong oder eben auch die Kräutermedizin ein. Er ist in dieser Welt groß geworden, versteht sie, und kann damit arbeiten. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch für uns nutzbar, doch im Krankheitsfall vielleicht nicht immer leicht erlernbar.

Qi Gong umfasst viel mehr als nur Bewegungen, es ist eine Art zu leben und zu denken. Für mich steht immer die Verbindung Körper, Geist und Seele im Mittelpunkt. Eine Technik, die Ausdruck der Persönlichkeit ist, in der es kein Richtig oder Falsch gibt.

Heidi Sykora

Dieser Gedanke ist Zentrum meines Lebens und Unterrichtens. Sollte es mir gelungen sein, auch nur einen kleinen Teil dieser Erkenntnis weitergegeben zu haben, so hat meine lange Reise Sinn gehabt.

Mein Lebensmotto: Die Liebe ist Antrieb für alles was wir tun, oder nicht tun. Sie ist das Zentrum unseres Lebens, die größte Kraft über die wir verfügen.“

Heidi Sykora wuchs in Berndorf auf und lebt heute in Göstling an der Ybbs. Sie studierte Sportwissenschaften mit der Fächerkombination Prävention- Rekreation, ist ausgebildete Heilmasseurin und Sportphysiotherapeutin. Sie arbeitet in ihrer eigenen Bewegungspraxis in Ybbsitz und unterrichtet am Wifi St. Pölten.

Als Mutter eines erwachsenen Zwillingspärchens blickt sie auf ein reiches, erfülltes Leben zurück und setzt ihre private und berufliche Reise weiter fort.

By Heidi Sykora, 3. Juni 2019
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

About me
Hallo, ich bin Erika, dein Health Coach!
Ich helfe Menschen, Sport und eine gesunde Lebensweise in ihr Leben zu integrieren. Ich bin davon überzeugt, dass sich Menschen völlig neu orientieren und alte Denkweisen überwinden können, um jeden Tag etwas Gesünderes zu tun. Ich liebe Sport und Bewegung. Am liebsten mache ich Yoga, Mountainbiken und Kitesurfen.
Follow us
Please check your instagram details.